Interkultureller Frauen-Garten in Oberhausen
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Interkultureller Frauen-Garten in Oberhausen
Unter dem Müll der Acker -
Wurzeln schlagen in der Fremde!


Stand Interkultureller Frauengarten Dezember 2011

Der interkulturelle Frauengarten Rose in Oberhausen
Ort für ein gutes, gesundes Leben?

Wo wir leben:

Der Garten, in dem wir biologisch arbeiten, ist nicht irgendwo im luftleeren Raum angesiedelt. Er liegt in einem der größten Industriegebiete Europas, dem Ruhrgebiet, das über viele Jahrzehnte Zentrum der Schwerindustrie war und auch noch ist: Kohle, Stahl, Chemie. Luft und Böden sind belastet. So müssen wir häufiger als anderswo Bodenproben nehmen und kontrollieren.

Was uns umgibt:

Wir leben im 21. Jahrhundert, in den Zeiten der Globalisierung, in denen die Nahrungsmittel in allen Kontinenten produziert und in alle Welt verschickt wer-den. Die Multinationalen Konzerne der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie, der Agrarwirtschaft versuchen immer stärker, weltweit jeden Aspekt unserer Ge-sundheit und Ernährung zu kontrollieren. Die Pharmalobby versucht auch immer wieder, ein Verbot für den Anbau von Heilpflanzen zu erreichen.

Die großen Pharmakonzerne versuchen, sich das gesammelte Wissen über die Heilwirkung von Pflanzen anzueignen. Sie versuchen, sich Pflanzen patentieren zu lassen, sie zu besitzen, um Bauern und Bäuerinnen das Recht auf eigenes gezüchtetes Saatgut wegnehmen zu können. Wir sind mit der Schulmedizin aufgewachsen, man hat uns eingeimpft, Ärzten, die diese Ausbildung haben, zu vertrauen. Wir möchten, daß Schulmedizin und die, die das alte Wissen über natürliche Heilmethoden haben, in den Dialog kommen.

Lebensmittel sind oft nicht mehr Mittel zum Leben. Sie sind mit allen nur er-denklichen chemischen Substanzen verändert.
Es gibt Bestimmungen und Gesetze in den verschiedenen Ländern, die nur den Verkauf von bestimmten Obst- und Gemüsesorten zulassen. Alte Sorten fallen da raus, krumme Gurken dürfen nicht verkauft werden usw.
Die Kontrolle der Industrien im Gesundheits- und Nahrungsmittelbereich hat das Ziel, den Profit für wenige zu sichern. Die Produktion verläuft häufig unter kriminellen Bedingungen. Ein paar der Gefährdungen:
Die Skandale bekommen wir oft nur am Rande mit: Klonfleisch, Käfig Eier, Gen Soja, hoch belastetes Gemüse. Über Futtermittel, Böden und Wasser gelangen Pestizide, Dioxine, Antibiotika und PCB ins Essen. Menschen, die im Gemüse-, Obst und Blumenanbau arbeiten sind den Verseuchungen besonders ausgesetzt. Die Skandale im Bereich der Pharmaindustrie sind ebenso endlos.
Wir wehren uns:

Es gibt Gegenwehr, viele Bewegungen weltweit, die sich mit diesen Phänomenen auseinandersetzen, Bewegungen gegen die Gentechnik, gegen die Patentierung von Lebensmitteln, Organisationen wie Foodwatch, also Nahrungsüberwachung,
es gibt Ökotest, es gibt kritische Gruppen, die sich mit der Pharmaindustrie und deren Machenschaften beschäftigen. Ein wichtiger Teil davon ist der Kampf gegen die Biopiraterie. Biopiraterie bedeutet, daß sich Pharmakonzerne das Recht auf bestimmte Pflanzen und das damit verbundene Wissen sichern wollen. Sie lassen sich Patente auf Pflanzen geben und behaupten dann, sie gehören ihnen.
Die Pharmalobby versucht seit langem, ein Verbot für den Anbau von Heilpflan-zen zu erreichen.

Welche Rolle spielen die interkulturellen Gärten in diesem Kontext?
Die Menschen, die sich in Interkulturellen Gärten treffen, versuchen, ein Stück Selbstbestimmung über das, was sie essen, welche Mittel sie zur Gesunderhal-tung und bei leichten Krankheiten anwenden wollen, zu erreichen.
Wir wollen nicht abhängig sein von den zufälligen Resten einer Industriegesell-schaft, möchten nicht in eine Vertafelung der Gesellschaft geraten. Wir möch-ten, daß die Menschen selber wieder die Bestimmung über ihr Leben bekommen.

Kräuter und Pflanzen haben sich seit Jahrtausenden bewährt. Es existiert ein großes, über so viele Jahrhunderte gesammeltes Wissen über die Wirkungswei-se von Kräutern und Pflanzen als Mittel zum Leben. Über viele Jahrhunderte ist dieses mündlich weiter gegebene Wissen hauptsächlich von Frauen zusammenge-tragen worden.
Die Verschriftlichung geschah vorwiegend in den Klöstern und später in der männlich dominierten Wissenschaft. Die Menschen verloren ihre Beziehung zum Wissen über den eigenen Körper.

Als Menschen des 21sten Jahrhunderts aber wissen wir wenig über die Wirkung von Heil- und Wildkräutern, von Gemüse- und Obst. Das Interesse, dieses Wis-sen wieder zu aktivieren, wächst. Im Oberhausener Garten, wie in vielen Gärten weltweit, tragen wir alles Wissen und Informationen, die in den verschiedenen Ländern vorhanden sind, zusammen. Wir pflanzen, wir probieren aus, wir tau-schen, wir lernen voneinander. Gemüse, Obst- und Nussbäume, Beerensträucher, Blumen, Heil- und Wildkräuter wachsen im Garten. Die Kinder lernen, daß Gemüse und Obst nicht im Supermarkt wachsen.

Wir bekommen eine andere Beziehung zu allem Lebendigen.
Oberhausen, 13.12.2011
Ellen Diederich

Stand Interkultureller Frauengarten 2011

Der Garten ist jetzt angelegt. Die Frauen haben ihr Beet. Ein gemeinsames Gartenhaus und ein Sitzplatz sind vorhanden. Die Planung für einen Kinderteil ist fertig.

Frauen aus verschiedenen Ländern haben im Jahr 2011 mit dem Anbau von Gemüse begonnen.
Schaut euch auf den Fotos (Link oben) an, was daraus geworden ist. Bis Foto 37 könnt ihr den Anfangszustand des Gartens sehen.
Danach kommen die Bilder ab 2011.

Vor der Anzucht von sehr vielen Gemüsen und Kräutern und wenigen Blumen gab es viele Schwierigkeiten durchzustehen.
Zweimal musste die Erde vorbereitet werden, weil beim ersten Mal falsche, belastete Erde angeliefert worden war.

Über die menschlichen Beziehungen und die Veranstaltungen informieren wir in Bälde.

Es sind interkulturelle Kräuterseminare und Kochkurse vorgesehen.

Interkulturelle Gärten gibt es in Deutschland inzwischen in einer Reihe von Städten, u.a. in Göttingen, München, Kassel, Berlin.

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Stand Interkultureller Frauengarten
in Oberhausen Ende April 2009

Ort und Lage de Gartens

Inzwischen ist es definitiv, daß wir den Garten an der von uns gewünschten Stelle beginnen können.

Das Grundstück liegt einige Kilometer vom Stadtzentrum Oberhausen entfernt.
Bis vor einigen Jahren war dort die Stadtgärtnerei von Oberhausen. Das Grundstück liegt am Rande des größten Parks in Oberhausen, dem Kaisergarten. Die Begrenzung ist auf einer Seite der Kaisergarten mit seinem alten Baumbestand. An dieser Seite sind mehrere Frühbeete, von denen wir eines wieder instand setzen möchten.
Vom Garten aus kann man direkt in den Kaisergarten kommen. In umittelbarer Nähe ist dort ein kleiner See und der Oberhausener Tiergarten, in dem zumeist heimische Tiere, Ziegen, Schafe, Schweine, Esel, Füchse, Wölfe, Wachbären, Rotwild, verschiedene Vogelarten untergebracht sind. Der Besuch ist kostenlos.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Gartens zur Straße hin ist eine Sporthalle, in der Judo, Taek-Wa-Do usw. trainiert werden. So sind wir nicht direkt an der Straße.

An der Kopfseite stößt das Grundstück an den Intergenerationengarten. Das ist ein bereits ausgestalteter Garten mit verschiedenen Hochbeeten, einer groß angelegten Feuerstelle, einem Bienenhaus mit mehreren Bienevölkern. Hier können Kinder und Erwachsene lernen, wie Honig entsteht. Es gibt ein kleines Gruppenhaus, mehrere Vogelvolieren, ein großen Kaninchengehege und eine Wiese.

In diesem Garten sollen verschiedene Schulklassen, Kindergärten und sonstige Interessierte die Hochbeete bearbeiten. Bis jetzt ist knapp die Hälfte der Hochbeete vergeben. In hinteren Teil dieses Gartens hat ein Gymnasium ein Stück, das sehr verwildert ist.

Daran schließt sich ein Kräutergarten an, angelegt wie ein alter Bauerngarten, mit kleinen Hecken zum Schutz. Den können wir eventuell mit bearbeiten.

Auf der Rückseite gibt es mehrere große Gewächshäuser noch aus der Zeit der Stadtgärtnerei. Eines könnten wir, wenn die Kapazität ausreicht, auch nutzen.

Der Garten selber ist ca. 2000 qm groß. Er ist aufgeteilt: Es gibt mehrere Flächen, aus denen gut Parzellen gemacht werden können. In diesem Teil muß ein Bodenaustausch stattfinden, da wir dort Gemüse anbauen wollen. Die Erde ist leicht belastet. Es sollen 30 cm abgetragen und durch Mutterboden ersetzt werden. Die abgetragene Erde soll in die Neugestaltung des Kaisergartens einbezogen werden. Für nicht essbare Pflanzen ist sie geeignet.

Ein Teil des Gartens soll so belassen werden, wie er jetzt ist. Dort sind Stauden, Sträucher und Blumen gepflanzt. Zwischendrin gibt es in Mosaikform schön gestaltete Wege aus verschiedenen Steinen. Ein Teil kann als Erholungsecke genutzt werden. Dort gibt es bereits Bänke, einen kleinen Wasserlauf, den wir wieder in Gang bringen wollen.

Planung und Einbindung des Gartens in die Kulturhauptstadt
2010 ist das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas. In Kontext dieses Ereignisses wird der Kaisergarten zu einer Erlebniswasserwelt umgestaltet. Der Kaisergarten wird durch Emscher und Rhein-Herne Kanal begrenzt. Die Emscher soll renaturiert werden. Vom Kaisergarten aus soll eine Brücke über Emscher und Kanal zu den angrenzenden Sportanlagen gebaut werden.
Wassererlebniswelt heißt: Es kann erkundet werden, was mit Wasser alles gemacht werden kann, aber auch Informationen über Wasser gegeben werden.

Die Planungsleitung liegt bei der Emschergenossenschaft. Die Planung und Ausführung wird durch das Gartenarchitekturbüro Davids, Terfrüchte und Partner in Essen ausgeführt.

Frau Dr. Oldengott von der Emschergenossenschaft hat vor ihrer Oberhausenzeit in Hamburg gearbeitet. Sie hat dort zwei Jahre an einem interkulturellen Gartenprojekt mitgearbeitet. Sie und die Gartenarchitekten hatten von unserem Vorhaben gehört und es positiv begrüßt.

Die Umgestaltung des Kaisergartens erfordert ein größeres Budget. Die Emschergenossenschaft und die Gartenarchitekten sind überein gekommen, daß sie eine Anschubfinanzierung unseres Projektes aus diesem Budget finanzieren wollen, da sie es sehr gut finden.

Das heißt u.a.: Bodenaustausch, Instandsetzung des Frühbeetes, Bau eines Gerätehäuschens, Wasser- und Stromanschluß, Stauden und Pflanzen. Längerfristig würden wir dort gerne eine offene Küche in Lehmbauweise und eine Humustoilette bauen.

Der Garten kann im nächsten Jahr als ein Modell während der Aktivitäten für die Kulturhauptstadt gezeigt werden. So können sich mehr Menschen über das Vorhaben informieren und in anderen Orten im Ruhrgebiet auch Gärten einrichten.

Konkrete Planung in Oberhausen
Ellen Diederich hat das Projekt inzwischen in verschiedenen Frauengruppen vorgestellt. Insgesamt haben sich 15 Frauen aus verschiedenen Ländern gemeldet, die mitmachen wolle. Sie kommen aus dem Iran, Afghanistan, Marokko, Armenien, dem Libanon, Syrien, der Türkei, Deutschland.

Die Stadt Oberhausen begrüßt das Projekt und gibt Unterstützung, insbesondere durch den Dezernenten für Kultur, Sport, Gesundheit, Herrn Apostolos Tsalastras.

Auf seine Einladung hin haben sich jetzt zweimal VertreterInnen vonm Migrationsrat, Flüchtlingsarbeit ev. Kirche, Gleichstellungsstelle, Regionale Stelle AusländerInnenarbeit, Ökologische Planung der Stadt Oberhausen, ZAQ, Zentrum für Ausbildung und Qualifikation, Büro des OB, VHS, Emschergenossenschaft, Gartenarchitekten, eine Vertreterin der EXILE Kulturkoordination und Frauenfriedensarchiv getroffen. Hinzu kommt noch eine Vertreterin der Caritas und die Gartenfachfrau Gundula Kerekes von www.Naturtipps.de. Bei all diesen Gruppen oder Institutionen ist Interesse an dem Gartenprojekt und gemeinsam wird überlegt, wer was beitragen kann.

Wir haben eine kleinere Projektgruppe gebildet, in der wir verschiedene Überlegungen zusammentragen wollen. In dieser Gruppe soll eine vorläufige Struktur erarbeitet werden, die dann mit den Frauen konkretisiert werden wird.

Die Gleichstellungsstelle hat vorgeschlagen, bei den beiden Ministerien, die Integrationsprojekte fördern, herauszufinden, ob sie das Projekt für förderungswürdig halten.

Der Vertreter des Umweltamtes wird eine Bestandsanalyse des Pflanzenbestandes im Garten machen und vorschlagen, welche Pflanzen in jedem Fall erhalten werden sollen, und was ersetzt werden kann. Er ist sehr von dem projekt angetan.

Das ZAQ kann bei Anträgen für Hilfskräfte behilflich sein. Dort liegt die Koordination des Intergenerationengartens, mit dem wir in den verschiedensten Aktivitäten kooperieren wollen. Es gibt also eine Reihe Erfahrungen, die wir auch nutzen können.

Die meisten Frauen, die mitarbeiten werden, sind Migrantinnen, AsylbewerberInnen oder haben bereits Asylstatus. Ihre finanziellen Möglichkeiten sind so, daß sie sich die Busfahrten zum Garten nicht leisten können. So wollen wir sehen, daß wir Fahrräder oder Spenden für Fahrräder bekommen. Eine der ersten Aktivitäten wird also ein Fahrradkurs sein, da die meisten nicht Rad fahren können.
Frau Storz von der Caritas wird über ihre Internet Arbeit Aufrufe machen, bei denen um Spenden für Pflanzen und Fahrräder gebeten wird.

Als nächstes möchten wir am 11. Mai alle Frauen, die sich bislang gemeldet haben, einladen, eine Gartenbegehung zu machen und die ersten Ideen zusammentragen.

Öffentlichkeitsarbeit:

Sobald wir den schriftlichen Bescheid haben und die Projektgruppe sich getroffen hat, möchten wir das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellen. Wir wollen von Anfang an sehr öffentlich arbeiten.

Der Garten und die Arbeit dort soll auch dazu dienen, einer breiteren Öffentlichkeit die Lage von MigrantInnen in Oberhausen nahe zu bringen. Wir hoffen, daß sich auch erwerbslose Frauen melden. Wir möchten zeigen, daß wir die sozialen Bedingungen nicht einfach hinnehmen, sondern tatkräftig der Misere Alternativen entgegensetzen.

Eine Kollegin vom Regionalfernsehen des WDR, Anke Spieß, Wuppertal, möchte das Projekt filmisch begleiten. Sie hat bereits im letzten Herbst erste Interviews im Garten gemacht.

Am Ende der Straße, in der der Garten liegt, ist das Gebäude, in dem u.a. die Museumspädagogik der Gedenkhalle stattfindet. In diesem Gebäude wird voraussichtlich ein Teil des Internationalen Frauenfriedensarchivs, in dem Ellen Diederich arbeitet, untergebracht werden.

Somit wäre Ellen Diederich ständig als Ansprechpartnerin erreichbar. Sie möchte die Arbeit für das Frauenfriedensarchiv und den interkulturellen Garten aufteilen und jeweils einen halben Tag für beide Projekte zur Verfügung haben.



Auch weltweit gibt es Erfahrungen mit interkulturellen Gärten, von New York bis Tokio. Teilweise haben die Menschen sich Flächen genommen, Brachflächen, sie besetzt und angefangen, Gärten anzulegen.
Die Gruppen, die das in New York angefangen haben, nennen sich: Die grüne Guerilla.
In New York sind die Erfahrungen, dass sich überall dort, wo die Gärten entstehen, die Kommunikationsstruktur im Stadtviertel verbessert, dass die Gewalt zurückgeht, mehr Räume für Kinder geschaffen werden, die Menschen auch miteinander feiern, teilweise entstehen kleine Märkte, wo Produkte im Stadtviertel verkauft werden.
(Siehe das Buch von Elisabeth Meyer-Renschhausen: „Unter dem Müll der Acker“
über die New Yorker Gärten)

Interkulturelle Gärten haben viele verschiedene Facetten:
Es sind Orte,
wo Interesse an verschiedenen Kulturen entwickelt wird,
Gegen Rassismus, für „Fremden“freundlichkeit
Es ist ein Weg gegen Einsamkeit und erzwungene Arbeitslosigkeit.
Es kann helfen, berufliche Orientierungen zu finden,
an denen Nord-Süd Lebenswelten sich begegnen,
wo Analysen der Lage von Flüchtlingen in Deutschland erarbeitet werden,
Analysen der politischen Situation in den Heimatländern,
Zusammenhänge von Flucht, Vertreibung und Exil im Zusammenhang mit Krieg und Globalisierung besprochen werden können,
über die Auswirkungen der Verweigerung von Arbeitsmöglichkeit für die Menschen mit Duldungsstatus geredet wird,
Verbindungen zu Deutschen, die ebenfalls Interesse an gemeinsamen Erfahrungen haben, Verbindung mit Erwerbslosen, politisch Interessierten hergestellt werden.
Einbindung in soziale und politische Zusammenhänge am Ort.
Es sind Orte, an denen sich emanzipierte Integration entwickeln kann.

Das vorherrschende Konzept der Integration stellt die Beschäftigung und Anpassung an das deutsche Leistungssystem und die deutsche Kultur in den Vordergrund. Wir sind der Meinung, dass eine emanzipierte Integration nur gelingen kann, wenn Menschen sich der eigenen Herkunft bewusst sind.
Indem wir gemeinsam in den Gärten arbeiten und voneinander auf einer möglichst gleichberechtigten Eben miteinander umgehen, kommen wir zu anderen Begegnungen, lernen voneinander. Alle Beteiligten erweitern ihre Kenntnis und ein Bewusstsein über andere Kulturen. die Schönheiten und Andersartigkeiten, ein Verständnis von der Gleichwertigkeit. Das sehen wir als Voraussetzung dafür an, gemeinsam mit allen zusammen etwas machen zu können.

Beginn der Gärten in Deutschland:
„1995, Bosnienkrieg. Auch in Göttingen leben Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet. Die Frauen treffen sich im Frauencafe des Göttinger Beratungszentrums für Flüchtlinge, Sie trinken Tee, basteln Tischschmuck und warten auf das Ende des Krieges. Die Sozialarbeiterin des Flüchtlingszentrums überlegt hin und her, womit sie das Interesse der Frauen wecken könnte. Dann stellte sie eine folgenreiche Frage: Was vermissen Sie eigentlich am meisten hier in Deutschland? Die Augen der Flüchtlingsfrauen leuchten. Ihre Antwort ist eindeutig: Unsere Gärten.

Dass war der Beginn einer zehnjährigen Erfolgsgeschichte, der Beginn des ersten interkulturellen Gartens in Göttingen.
Interkulturelle Gärten sind Gärten, in denen Ausländer und Deutsche zusammen Land bearbeiten, Nahrung anbauen, gemeinsam arbeiten, feiern, sich kennen lernen. Die Menschen aus verschiedenen Ländern zeigen, wie und welche Gartenarbeit sie aus ihren Heimatländern kennen, was sie angebaut haben. Sie können ein Stück der eigenen Kulturen wieder beleben, es entsteht ein gleichberechtigtes Geben und Nehmen. Ein Stück Selbstorganisation, Wiedergewinnung von Würde und Partnerschaften. Durch den Kontakt mit der Erde, mit dem Lebendigen Prozesse, die in vielen Fällen auch zur Auflösung von Erfahrungen mit Krieg, Flucht, Vertreibung und Flüchtlingsschicksal führen.

Gemeinschaftliche Gartenarbeit erfüllt Bedürfnisse nach Kontakt, nach sich Umgeben mit Schönheit und Lebendigkeit nach Wachstum, nach selbst bestimmter Gestaltung.“
Christa Müller, Stiftung Interkultur, München: Wurzeln schlagen in der Fremde

Die Gärten tragen auch dazu bei, dass sich Lebensmittellage der Menschen verbessert.
Viele verschiedene Aktivitäten entwickeln sich: Über die Öffentlichkeitsarbeit kommen Vernetzungen mit anderen Gruppen zustande. Aber auch die örtliche Presse wird immer wieder über die Lage von Flüchtlingen in der Stadt informiert. Es werden Einzelschicksale aufgezeichnet und beschrieben.

Die Erfahrungen in anderen Städten zeigen, daß sich viele verschiedene Aktivitäten rund um die Gärten entwickeln:

Praktische Dinge wie muttersprachlicher Unterricht, Alphabetisierungskurse, Deutschkurse, Arbeiten mit Ton und Holz, Anleitung im biologischen Gartenbau, Bau von Gartenhäusern, Bau von Wasserleitungen, gemeinsames Kochen, usw.

Gemeinsames Kochen ist eine kreative und verbindende Sache. Auch Kinder sind nach allen Erfahrungen immer dazu zu begeistern, gemeinsam zu kochen. Ich habe im letzten Schuljahr ein Projekt mit Kindern in der Brüder-Grimm-Schule gemacht, wo wir diese Erfahrung machen konnten. In der Gruppe schneiden die Kinder gerne Gemüse, sind interessiert, wenn man ihnen zeigt, wie sich die Lebens-Mittel beim Kochen verändern, rühren und probieren Gewürze und Zutaten aus. Wenn man ihnen erzählt, wie die Nahrungs-Mittel, (die eben heute sehr oft keine Lebens-Mittel sind) die sie nor-malerweise zu sich nehmen, hergestellt werden, welche Schadstoffe in dieser Nahrung sind und wie man besser essen kann, hören sie in einem solchen Kontext besser zu. Eßgewohnheiten sind nicht von heute auf morgen zu verändern, aber es sind Schritte in die richtige Richtung.

Vielfach ist kein oder ein sehr geringes Bewusstsein darüber vorhanden, was gesunde Ernährung ausmacht. Auch die Qualität des gelieferten Schulessens ist häufig nicht an gesundheitlichen Kriterien ausgerichtet. Zu wenig frisches Gemüse und Salat, zu lange gekocht. Es ist für den Geldbeutel der armen Familien, selbst bei schlechter Qualität zu teuer. Hier können wir uns gegenseitig informieren und auch voneinander lernen.

„Ernährung und Gesundheit stehen in enger Beziehung: Wohlgefühl und Leistungsfähigkeit sind unmittelbar abhängig von der Ernährung, in ihrem Kontext entstehen Ri-sikofaktoren oder Krankheitsbilder. Eine gesundheitsförderliche Ernährung basiert auf vielen Bedingungsfaktoren und umfasst weit mehr als den Verzehr von bestimm-ten Lebensmitteln oder den Verzicht darauf. Persönliche Einstellungen zum Essen, gemeinschaftliche Erfahrungen sowie vielfältige Fähig- und Fertigkeiten, das vorhan-dene Nahrungsangebot kompetent zu nutzen, spielen beim Ernährungsverhalten eine wesentliche Rolle.“ Claudia Gawol, Konzeptentwurf Gesundheit und Ernährung

Antiwerbekampagnen –
Wir können der Verlogenheit der Nahrungsmittelindustrie, „die kleine Portion Extra Milch in der Milchschnitte“, der Werbung für das ungesunde Fast Food etwas entgegensetzen.

Die Stadt Oberhausen hat zugesagt, dass wir Flächen für den Garten bekommen.

Ellen Diederich, Lothringer Str. 64, 46045 Oberhausen, 0208/853607
friedensa@aol.com



Vor einiger Zeit hatte ich die große Freude, die Lieder des US-amerikanischen Sän-gers David Rovics kennen zu lernen. Leider gibt es in der BRD keinen Sänger wie ihn, er hat an die 200 Lieder zu allen Themen geschrieben, mit denen ich mich seit vielen Jahren befasse. Von Coca Cola in Kolumbien, von Fallujah über die Mauer in Palästina, die Weltbank, den IWF und die Welthandelsorganisation, über Hugo Chavez und Ve-nezuela, über die Atomtests und die grauenvolle School of the Americas, über Halli-burton usw. Und eben auch über die Gärten in New York.
Im Internet kann man alle Lieder von David mit seiner Erlaubnis herunterladen, auch alle Texte sind dort.
Ich hoffe, daß wir ihn in absehbarer Zeit wieder nach Deutschland einladen können.
Im Internet: Davidrovics.com, dann „songs for social significance“, dann lyrics ankli-cken, unter sound click gibt es die Musik, unter „my old website“ gibt es alle Texte. Es lohnt sich!

More Gardens song - Lied für mehr Gärten
Von David Rovics, Übersetzung Ellen Diederich

Dieses Stadtviertel hat keine Zukunft
Sagten die Leute.
Der Großteil der Häuser ist baufällig.
Alles ist grau.
Die Hälfte der Kinder hat Asthma
Dank der Müllverbrennungsanlage um die Ecke.
Den Bürgermeister schert es nicht
Ob wir leben oder sterben.

So sah es aus.
Schauen wir das Zentrum,
Das Herz des Viertels an:
Viele zerbrochene Fenster
Bestimmen seit Jahren das Bild.
Jetzt kommen wir Nachbarn zusammen
Und sagen: Genau hier werden wir anfangen!

Wir werden den Dreck untergraben,
säen und pflanzen.
Den Beton abtragen
Die Erde darunter freilegen.
Wir werden einen Garten anlegen
Und Essen für uns wird wachsen.
Sonnenblumen werden sich zum Himmel strecken
Und sagen: Wir erobern uns die Straße zurück.

An einem Tag haben wir geschafft
Was der Bürgermeister immer nur versprach,
als er versuchte, uns mit seinen Methoden
von oben nach unten zu dirigieren.
Das Viertel ist sauber
Die Rauschgifthändler sind verschwunden
Wir haben gute Nahrung zu essen
Und es gibt Platz für die Kinder zum Spielen!

Zweimal kamen Leute von der Stadt
Sagten: Das sei nicht unser Land!
Zweimal zerstörte die Polizei all das
Was wir mit unseren Händen geschaffen haben.
Ausgerissen Pflanzen und zerbrochenes Werkzeug
Lagen überall herum.
Am nächsten Tag konntet ihr als erstes sehen:
Unsere Hände, die den Boden wieder bearbeiteten.

Impressum


Verantwortlich:

Elisabeth Maatz
Mindener Weg 12
45659 Recklinghausen
Tel. 02361-59559